zu gast am 23.5.07: helga fanderl – MONTAGE ODER NICHT-MONTAGE

mittwoch, 23.5.07.
kleine videovorführung, raum 2017
ab 17:00 uhr.

Helga Fanderl: MONTAGE ODER NICHT-MONTAGE
Echtzeitfilme und Montage in der Kamera.

Meine kurzen Filme entstehen – oft an einem Ort, in einer Situation – in direkter konzentrierter Kommunikation mit dem Gegenstand, während ich im doppelten Wortsinne aufnehme. Sie werden beim Filmen selbst in der Kamera gestaltet, durch bloßes An- und Ausschalten, sozusagen in einem Gestus, ohne nachträgliche Bearbeitung. Eine Montage im traditionellen Sinne findet also nicht statt. Die Kameraarbeit ist entscheidend, das Schneiden in der Kamera, die simultane Findung der Zeitform. Deshalb filme ich mit Super 8. Entweder gelingt der Film oder er wird verworfen, wie eine Zeichnung, wie eine malerische Skizze. Er zeichnet die Spuren des durch den Sucher Wahrgenommenen und der filmischen Transformationsprozesse in ihrer engen Wechselwirkung auf. Der Betrachter kann diese Einheit erfahren und nachvollziehen.
Die Filme sind rein visuelle Verdichtungen, ohne Ton. Mir geht es um visuelle Klänge, Rhythmen, um Musik für die Augen und die Freiheit, die Töne zu assoziieren.

Im Prinzip wähle ich für jede Projektion eine Reihe von Filmen aus und präsentiere sie in einem komponierten Programm. Jeder Film steht zwar für sich, aber ich zeige ihn im Zusammenhang mit anderen Filmen. Je nach Kontext gewinnt die einzelne Arbeit inhaltlich wie formal eine jeweils spezifische Bedeutung. In der Sequenzierung arbeite ich assoziativ und gestalterisch mit Bedeutungsvarianten und mit Zeitformen.
So ‚montiere‘ ich mit Einzelelementen aus meinem umfangreichen Werk immer neue Varianten, die jeweils eine filmische Einheit bzw. einen besonderen Film ergeben.
Mit jedem Programm exemplifiziere ich meine gesamte Filmarbeit, die potentiell nie abgeschlossen ist.

Bernhard Uske schrieb:

„Bei einem Programm aus 16 dieser kurzen Fanderl-Filme mit einer Gesamt-Spieldauer von nicht mehr als 40 Minuten, sind Umstellungen und damit Variationen und Neubeleuchtungen, Aspektveränderungen, Korrespondenzen, Oppositionen, Ähnlichkeiten, Analogien und Kommentierungen nicht nur rein rechnerisch, sondern auch tatsächlich in einer 14stelligen Größenordnung möglich. Genau 13 861 348 108 000 mal nämlich könnte man die Abfolge und damit die möglichen Bezüglichkeiten der 16 Filme untereinander permutieren, ohne daß auch nur einer davon durch einen weiteren aus Fanderls reichhaltigem Repertoire ersetzt werden müßte. Und so wie diese Zahl in ihrer Größe vor den bescheidenen 16 Variationselementen ungeheuerlich wirkt, so geht von all diesen Filmen etwas Rätselhaftes, Unerschöpfliches aus.“

Die Filme werden aus dem Zuschauerraum projiziert. Der Projektor steht also im Raum, man sieht, man hört ihn. Das Medium Film wird transparent gemacht. Ich zeige nicht nur in traditionellen Kinos, sondern verwandle gerne unterschiedliche Vorführorte in ein temporäres, ambulantes Kino, führe in der Regel auch selbst vor und betone den performativen Charakter der Präsentation.

Christine Noll Brinckmann:
Die Filmemacherin (…) hat die seltene Gabe, aus der Intuition des Augenblicks und mit fast übermenschlicher Intensität auf Konstellationen der Wirklichkeit zu reagieren. Es gelingt ihr, den richtigen Moment zu erhaschen, in dem Wespen, Passanten, Sardinenfischer oder das Wetter sich sozusagen selbst choreografieren, um für die Dauer von ein oder zwei Minuten einer Art musikalischem Verlauf zu folgen. Fanderl vermag dabei den – wie es scheint – einzig richtigen Bildausschnitt zu wählen, so daß Proportionen und farbliche Korrespondenzen auf glückhafte Weise stimmig werden.

ÜBER HELGA FANDERL:

1947 geboren in Ingolstadt.
Studium Germanistik und Romanistik in München, Paris und Frankfurt a. M. (1967-1973).
Studium an der Hochschule für Bildende Künste, Städelschule, in Frankfurt
a. M. (1987-1992) und an der Cooper Union in New York (1992-1993).
Seit 1990 Filmpräsentationen in Filmmuseen, Museen für moderne und zeitgenössische Kunst, Ausstellungsräumen, Galerien, Kinos und an ausgewählten anderen Orten

Ausgewählte Filmographie (1986-2007)
Super 8

See
Kirchplatz
Blaues Haus
Pferd
Ostpark
Pariser Bilder
Fontänen
Italienische Mauer
Ostermesse
Wespen fressen
Schrebergärten
Blatt-Tanz
Möwen auf Eis
Saatkrähen am Main*
An der Schutter
Blumen orange blau lila gelb
Blätter fallen
Giraffenliebe
Weybridge
Hund im Schnee
Pfau
Frühstück in Delft
Heftige Quellen
Vernazza
Von einem Spaziergang
Diges
Portrait
Méchoui
Eisbär*
Gramercy Park
New Hope (I+II)*
Pfützenspiegel
Selbstbilder in New York
Father Demo Square
Wiese in Pennsylvania
Sultanspalast
Dörfer im Antiatlas
Teetrinken
Rote Mauer
Sitzende
Wolken in Etretat
Selbstbilder im Palais Royal
Künettegraben
Turm Triva*
Gewitterregen
Weiße Taube
Zapping
Sardinenkörbe
Friedhof
Mauer und Möwen
Muschelfänger
La Ménara
Mädchen
Großer Platz und Meer
Weiße Männer*
Opfer
Netzaufziehen
Kindertheater
Netzeinziehen
Stadt von oben
Pelikane
Apfelernte
Münster
Kirche am Kanal
Museumsinsel

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