zu gast am 13.6.07: Christoph Girardet: Montage und die Versöhnung von Kunst und Kino.

zu gast im montageforum am 13.6.07: Christoph Girardet: Montage und die Versöhnung von Kunst und Kino.

Christoph Girardet zeigt Arbeiten.

mittwoch, 13.6.07.
_Achtung!_35mm Vorführung, Raum 1102 und 1101_ab 17:00 uhr.

Mirror, 8 min., 2003, 35mm cinemascope
Kristall, 15 min., 2006, 35mm
Arbeiten auf Video.

Es ist die Frage, was hinter der Oberfläche der Bilder liegt, die Christoph Girardet beschäftigt. “Found Footage”-Material, überwiegend aus Spielfilmen der Fünfziger- und Sechzigerjahre, dient ihm als Ausgangspunkt für eine filmische Recherche, bei der Szenen und Bilder zunächst zerlegt und dekonstruiert werden, um sie dann in einer Weise neu zusammenzusetzen, die die eigentlichen Strukturen und die innere Mechanik des Gezeigten deutlich macht. Innerhalb dieses strukturanalytischen Verfahrens spielen, neben dem oft durchdacht komponierten Sound, Momente der Zeitdehnung, der Wiederholung, des Loops und die Methoden serieller und rhythmischer Montage eine tragende Rolle. Im Ergebnis beeindrucken Girardets Arbeiten aber nicht nur aufgrund ihrer Präzision, mit der sie die Struktur der Bilder durch ein Verfahren zum Sprechen bringen, welches selbst analog zum ursprünglichen Konstruktionsprozess dieser Bilder verläuft. Vielmehr entsteht über die Analyse des Materials und seiner Klischees hinaus eine ganz eigene Bildwelt, die wesentlich von einer melancholischen grundsätzlichen Abwesenheit handelt und damit das filmische Erscheinen der Bilder unauflöslich an ihr Verlöschen koppelt.
(Stephan Berg)

2006 erhielten Christoph Girardet und Matthias Müller in Cannes den Grand Prix Canal+ du meilleur court métrage, Semaine de la Critique, Cannes für “Kristall”

Christoph Girardet wurde 1966 in Langenhagen geboren. Er hat an der der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig studiert (Meisterschüler 1994). Seit 1989 hat er zahlreiche Videos und Videoinstallationen produziert, seit 1994 teilweise in Zusammenarbeit mit dem Videokünstler Volker Schreiner und seit 1999 mit Matthias Müller. Girardet hat an Gruppenausstellungen in bedeutenden Institutionen wie dem Stedelijk Van Abbemuseum, Eindhoven, dem P.S.1 Contemporary Art Center, New York, und dem Nikolaj Copenhagen Contemporary Art Center teilgenommen. Einzelausstellungen fanden unter anderem im Kunstverein Hannover, der Sean Kelly Gallery, New York, und der Kunsthalle Bielefeld statt. Girardets Videos sind auf vielen internationalen Festivals gezeigt worden. Seine Arbeiten befinden sich in verschiedenen öffentlichen und privaten Sammlungen. 2000 erhielt Girardet ein Stipendium für das International Studio and Curatorial Program in New York und 2004 das Villa Massimo Stipendium in Rom. Er lebt und arbeitet in Hannover.

Zentrales Moment im Werk von Christoph Girardet ist die Arbeit mit Fremdmaterial (‘found footage’), welches im Zeitalter der Videokassette nicht mehr gefunden, sondern im scheinbar grenzenlosen Zugriff auf die Filmgeschichte recherchiert ist). Dem unendlichen Strom der produzierten Bilder, die die Wünsche und Sehnsüchte eines niemals zu Lebenden vorspiegeln, ist das Individuum ausgeliefert, die eigene Lebensvorstellung wird durch die kollektive verdrängt. Die Aneignung des Fremden Materials ist die Umkehrung dieser Agression, die sich im dem zweiten wesentlichen Element der Kunst von Girardet ausdrückt: dem Motiv der Gewalt. …
(Marcel Schwierin)

Das Phänomen dieser Filme ist, daß man zwar immer wieder bekannte Gesichter sieht, Stars erkennt und die Zitate identifizieren kann, aber deren Aura sich auf Dauer der Inszenierung von Girardet & Müller unterordnet. Jedesmal schaffen sie einen vollkommen neuen Filmischen Raum, der die Filmgeschichte als klaustrophobische Zwangsvorstellung begreift. Kein Wunder, daß sie sich in “Mirror” (2203) vor Michelangelo Antonioni, dem Meister des Vakuums und der leeren Räume verbeugen. Schließlich spricht auch in Beacon (20029 Mike Hoolboom den Satz: “Wir träumen nicht länger von Stürmen und besonderen Vorkommnissen, wir träumen nur noch von Orten.” (…) Der Titel der H.G. Wells-Verfilmung “Things to Come” wäre ein passendes Motiv für die Filme von Girardet & Müller. Stets zeigen sie Menschen oder Räume in Erwartung dessen, was Kommen mag, einen Zustand fortgesetzter Drohung eine düster dräuende Atmosphäre, der sich niemand entziehen kann. Dies ist eine Welt in der ein im Wind wehender Vorhang eigentlich nur bedeuten kann, daß jemand Unbefugter in einen Raum eingedrungen ist oder sich jemand gerade aus dem Fenster gestürzt hat.
(Michael Althen)

Filmographie (Auswahl)
_2005_wetterfest°_Regie
_2004_Fiction Artists #3 The Hidden Masterpiece_Drehbuch, Regie, Schnitt, Kamera
_2004_Fiction Artists #5 Session_Drehbuch, Schnitt, Regie, Kamera
_2003_Ewige Schönheit_Schnitt
_2003/2004_Mirror_Ausstattung, Drehbuch, Musik, Kamera, Produzent, Ton, Schnitt, Regie
_2003_Play_Drehbuch, Kamera, Produzent, Musik, Ton, Schnitt
_2002_Beacon_Drehbuch, Kamera, Musik, Regie, Ton, Schnitt, Produzent
_2002/2003_Manual_Regie, Ton, Schnitt
_2001_Phantom_Schnitt
_2000/2001_nebel_Schnitt
_1999_Phoenix Tapes_Produzent, Regie, Schnitt, Ton

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