zu gast am 7.4.2010: Gesa Marten

Zum Montageprozess von

PereSTROIKA – UmBAU einer Wohnung

Mittwoch, 7.4.10

Raum 1104

17:00 Uhr

Dokumentarfilm, D 2008, 85 Min., 35mm, russ. mit dt. Untertiteln
Regie: Christiane Büchner

In dieser Wohnung hat jedes Zimmer einen anderen Besitzer.
Und obwohl sie gemeinsam in einer Wohnung leben, war keiner je im Zimmer des anderen!

Stellen Sie sich vor, Sie müssten mit Ihrer Familie in einem einzigen Zimmer wohnen und sich Küche, Bad und Telefon mit bis zu zwei Dutzend weiteren Personen teilen. In St. Petersburg ist das nicht ungewöhnlich, sondern ein Relikt aus den Zeiten der sowjetischen Normzuteilung und noch lange nicht Vergangenheit. Ungeübt im Umgang mit Besitz aber jahrzehntelang trainiert im Ergattern von staatlichen Zuteilungen, setzt das Ausloten eines angemessenen Marktwertes für die einzelnen Zimmer dieser Wohnung eine Dynamik in Gang, die das Verhältnis aller Beteiligten noch ein letztes Mal auf die Probe stellt. Nun geht es nicht mehr darum, wer wie lange morgens das Bad blockiert oder die Küche mit besonders strengen Essensdüften verpestet. Jetzt, da sich ihre Wege unwiderruflich trennen, will jeder das Optimale für sich herausholen und scheut dabei vor nichts zurück. Denn entweder es ziehen alle aus, oder keiner! Diese Suche nach immer neuen Lösungsansätzen entwirrt der Film, indem er jedem Erzählstrang geduldig nachgeht. Anstatt seine Protagonisten moralisierend zu verzerren – hier die profitgierigen Makler, dort die ohnmächtigen Bewohner der Kommunalwohnung – bleibt er ihnen dicht auf den Fersen und zeigt sie im Kontext einer Bewegung, die die einstigen Nachbarn in alle Himmelsrichtungen auseinander führt. Weil sich pereSTROIKA gerade auf die Details des existenziellen Kampfs seiner Protagonisten um ein neues Zuhause einlässt, entwirft der Film ein Bild davon, wie sich freie Marktwirtschaft in Russland heute anfühlt.

Gesa Marten vertritt im Sommersemester die Professur Künstlerische Montage an der HFF Potsdam-Babelsberg.

Gesa Marten studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Germanistik und Philosophie in München und Köln mit Abschluß M.A. Seit 1991 arbeitet sie freiberuflich als Editorin und Dramaturgin. Sie unterrichtet an verschiedenen Hochschulen. 2000 war sie für den Deutschen Fernsehpreis mit ABNEHMEN IN ESSEN in der Kategorie »Bester Schnitt« nominiert, 2004 und 2006 wurde sie für den Deutschen Kamerapreis in den Kategorien Schnitt Dokumentarfilm und Schnitt Kurzfilm nominiert. Bei Film+ wurde sie 2005 gemeinsam mit Bettina Braun für ihre Montage von WAS LEBST DU? mit dem Bild-Kunst Schnittpreis Dokumentarfilm ausgezeichnet. 2008 war sie mit LOST IN LIBERIA für diesen Preis wieder nominiert. Für ihren Schnitt von pereSTROIKA – umBAU einer Wohnung erhielt sie im vergangen November erneut den Film+ Bild-Kunst Schnittpreis Dokumentarfilm 2009.
Gesa Marten ist Mitglied der Europäischen Filmakademie.

Auswahlfilmographie

1992 Fritz und Erna. Dokumentarfilm. Lars Büchel

1993 Chuppa. Dokumentarfilm. Sascha und Laurie Schneider

1996 Shalom Alaaf. Dokumentarfilm. Gerhard Schick und Frank Schauder

1997 Sarajlija. TV-Dokumentarfilm. Gordan Godec

1998 Ich kam nach Palästina. Dokumentarfilm. Robert Krieg

1999 Abnehmen in Essen. Doku-Serie. C.L. Rettinger und Claudia Richarz

2000 It’s a She-thing. TV-Dokumentarfilm. Susanne Ofteringer

2001 Sainkho. Dokumentarfilm. Erica von Moeller

2002 Die Krokodile der Familie Wandaogo. Dokumentarfilm. Britta Wandaogo

2004 Was lebst du? Dokumentarfilm. Bettina Braun

2005 Geschwister Vogelbach. Dokumentarfilm. Luzia Schmid

2005 Hannah. Spielfilm. Erica von Moeller

2007 Lost in Liberia. Dokumentarfilm. Luzia Schmid

2008 Fräulein Stinnes fährt um die Welt. Dokumentarspielfilm. Erica von Moeller

2008 pereSTROIKA – umBAU einer Wohnung. Dokumentarfilm. Christiane Büchner

2009 LowLights. Spielfilm. Ignas Miskinis

2009 Auf der sicheren Seite. Dokumentarfilm. Corinna Wichmann und Lukas Schmid

Auszeichnungen

2000 Nominierung für den Deutschen Fernsehpreis, Kategorie Bester Schnitt für Abnehmen in Essen

2004 Nominierungen für den Deutschen Kamerapreis / Schnitt in der Kategorie Dokumentarfilm für
Die Krokodile der Familie Wandaogo und in der Kategorie Kurzfilm für Im Augenblick

2005 Film+ Bild-Kunst Schnittpreis Dokumentarfilm für Was lebst du? (mit Bettina Braun)

2006 Nominierung für den Deutschen Kamerapreis / Schnitt in der Kategorie Dokumentarfilm für Geschwister Vogelbach

2008 Nominierung für den Film+ Bild-Kunst Schnittpreis Dokumentarfilm für Lost in Liberia

2009 Film+ Bild-Kunst Schnittpreis Dokumentarfilm für pereSTROIKA – umBAU einer Wohnung

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