MONTAGEFORUM 19.05.2021 FILMUNIVERSITÄT BABELSBERG 17:00 UHR // ONLINE VIA ZOOM

Barstow California

Regie Reiner Komers I Montage Gregor Bartsch
zu Gast: Gregor Bartsch

(DEU/US 2018, 76 min)

In einer berückenden Mischung aus Porträt und dokumentarischer Poesie erkundet der deutsche Filmemacher Rainer Komers das Wüstenkaff Barstow – auf den Spuren und mit autobiographischen Texten des Dichters »Spoon« Jackson, der dort aufwuchs, bis er wegen Mordes zu lebenslänglicher Haft verurteilt wurde.

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=nql13Gg-WTU

Die Leinwand ist schwarz, das Geräusch einer schweren Tür, die zufällt, ein Schlüssel dreht sich im Schloss.

Der Film Barstow, California nimmt uns mit in die Welt des Lyrikers Stanley »Spoon« Jackson, der aus seiner Autobiographie »By Heart« vorliest, ohne selbst jemals im Bild zu sein. Geschrieben hat er sie im Gefängnis, in dem er seit 1978 wegen Mordes inhaftiert ist.

»Meine Haut fühlt sich warm und lebendig an, diesen September in San Quentin. Als wäre ich eine Eidechse, die sich auf einem großen Stein sonnt.«

Zur Off-Stimme von Spoon Jackson blicken wir auf die Landschaftsbilder der sonnendurchtränkten kalifornischen Mojave-Wüste und der Kleinstadt Barstow, die an der Interstate 15 auf halber Strecke zwischen Los Angeles und Las Vegas liegt. In den Minen rund um Barstow wird bis heute Gold abgebaut.

Spoon Jackson ist einer von 15 Brüdern, zwei von ihnen führen uns an diesen verödeten Ort ihrer Kindheit. Sie erzählen von der Familiengeschichte, von Armut, Rassismus, aber auch vom Zusammenhalt zwischen den Nachbarn am Fluss. Wir hören von den plötzlichen Fluten des Mojave River und vom rhythmischen Rattern der Güterzüge, die sie nachts in den Schlaf sangen. Noch immer rangieren sie dort, oder sie passieren ohne Halt das gottverlassene Barstow. Und immer liegt dieser Sound kreischender Eisenbahnräder in der Luft, der das Gefühl der Einsamkeit bis hinter die Gitterstäbe des Solana Gefängnisses zu tragen scheint.

Ohne einen einzigen Satz über Politik zu verlieren, ist diese poetisch-biographische Ortserkundung hochpolitisch.

Duisburger Filmwoche – ARTE Dokumentarfilmpreis
Achtung Berlin! – Bester Dokumentarfilm 
blicke – filmfestival des ruhrgebiets – lobende Erwähnung
Lichter, Filmfest Frankfurt – lobende Erwähnung 
Big Sky Documentary Film Festival / USA – Wettbewerb 
San Francisco DocFest – Wettbewerb 
Festival International Jean Rouch, Musée de l’Homme, Paris
Nominiert: Grimme Preis 2019 und Preis der Deutschen Filmkritik 2019

Gregor Bartsch

1996–1998 Ausbildung zum Zimmermann. Nach dem Abitur Zivildienst in Kumasi/ Ghana, anschließend Aufnahme des Studiums für Medientechnik. 2005–2006 Studium an der Faculty of Art, Media and Design der Universität Bristol in England im Fach Time-Based-Media. Seit 1998 eigene Arbeiten und Ausstellungen insbesondere Konzeptkunst. 2008, Abschluss Dipl.-Ing. Medientechnik. 2008 Produktion und Regie des Dokumentarfilmes „Ideal 50 – vom Plan zur Stadt zum neuen Menschen“. Seit 2009 Arbeit als freier Filmeditor/ Autor in Potsdam u. Berlin und Mitarbeit an verschiedenen Filmen vorwiegend in Montage und Dramaturgie.

Die Arbeiten liefen auf internationalen Filmfestivals und erhielten wiederholt Auszeichnungen.

Ab 2015 Masterstudium im Fach Montage an der HFF Konrad Wolf Potsdam.
Wiederholt Workshopaufträge u.a. bei Shoot! 2013/14 in Nigeria sowie freie Arbeiten und Ausstellungsteilnahmen.

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